Eduard Aigner (1903- 1978)
„Blondes Mädchen“, 1933

Technik: Öl auf Leinwand
Maße: 83 x 68 cm
Signatur: li. unten „E. Aigner 33“
Datierung: 1933
Beschriftungen und Tekturen: rückseitig auf dem Keilrahmen betitelt, signiert und
datiert
Provenienz: Hofgartengalerie München übernommen, 1979, aus dem Nachlass des Künstlers.
Zur Biographie von Eduard Aigner:
E.A. wird am 06.08.1903 in Neuhaus /Oberpfalz geboren. Nach einer Lithographenlehre (es entstehen erste Portaitstudien) studiert er von 1923- 29 an der Akademie Müchen mit städt. Stipendium, bei A. Schinnerer und H. v. Haberman. Er unternimmt zahlreiche Studienreisen nach Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Italien.Er erhält 1932 den Dürer- Preis von Nürnberg. Es entsteht das große Wandbild in der Plassenbergschänke das im Krieg zerstört wird. 1940- 45 malt er zahlreiche Kasernen aus. Von 1946 bis 47 ist er als Lehrer für Malerei an der Malschule von H. Parish in München tätig. Seit dem 2. Weltkrieg ist er bis 1954 Präsident der Neuen Münchener Künstlergenossenschaft. Ebenfalls ist er Gründungsmitglied der Ausstellungsleitung vom Haus der Kunst. Seitdem ist Aigner in Wasserburg ansässig.
Anfänglich von Trübner, Marées und besonders von Goya beeinflusst schafft nach dem Krieg in heller Palette postimpressionistische Bilder.
Zu seiner besten Zeit gehören sicherlich die zeitkritischen Gemälde „An der Litfassäule“, „Auf der Straße“ und „Der Müllkutscher“
Stilistische Wandlung
Finden sich in den frühen Arbeiten durchaus zeitkritische Ansätze so beschränken sich spätere Werke auf das rein Künstlerische.

1) E. Aigner „An der Plakatsäule“ um 1932 Öl/Lw, 140,5x110cm, Privatbesitz
2) E. Aigner „Herbst“ vor 1972, Öl/Lw, 100x80cm, Große Kunstausstellung, München 1972
Welche Rolle er im 3. Reich einnimmt ist ungewiss. Er malt wohl als Soldat zahlreiche Kasernen aus. Ebenso erscheint 1934 ein Artikel über ihn im Rahmen der Reihe „Junge Kunst im deutschen Reich“. Seine 1945 beginnende Präsidentschaft der neuen Künstlergenossenschaft deutet jedoch auf eine eher unbelastete Vergangenheit hin zumal er auch nicht, wie zahlreiche Münchener Kollegen (z. B. die Protzens), an den großen Jahresausstellungen im „Haus der Deutschen Kunst“ beteiligt war.
Zum Gemälde „Blondes Mädchen“
Zu sehen ist ein junges Mädchen mit offenem blonden Haar. Sie trägt einen gemusterten Rock und einen blauen Pullover mit schwarzem Kragen sowie einer roten Halskette. Sie sitzt auf einem Sofa bzw. einer Chaiselongue. Auf den Knien hält sie ein aufgeschlagenes Buch, auf dem sie einen Arm abgelegt hat. Hinter ihr liegt ein Koffer auf dem eine kleine runde Schachtel liegt.
Vorbilder
Als Vorbild kann moeglicherweise das von Carlo Mense (1886- 1965) 1926 geschaffene Gemälde „Mädchenbildnis (Inge)“ gelten, das sich in der Nationalgalerie, Berlin befindet.
Als Mitglied der Novembergruppe beteiligt sich Mense 1922 an der ersten Kollektivausstellung der Galerie Goltz in München. Später wird er Mitglied der „Neuen Secession München“. Es ist also durchaus denkbar, dass Aigner das genannt Gemälde kannte

3) Carlo Mense „Mädchenbildnis (Inge)“ 1926, Öl/Lw 83,5X60cm
4) Eduard Aigner, „Blondes Mädchen“, 1933, Öl/Lw 83X66cm
Nicht nur formal, sondern auch stilistisch finden sich parallelen. Die flächige Farbgestaltung gliedert die Darstellung klar auf. Details sind bis auf das notwendigste reduziert. Auffallend ist die blockhafte Auffassung der Körper bei beiden Bildern.
Thematische Unterschiede sind dennoch vorhanden. So scheint die kühle Szenerie bei Mense in einer Maler/Modell- Situation bewusst gestellt. Aigner gibt eine intime Momentaufnahme wieder.
Literatur:
Schütz, H. : Kaleidoskop des Lebendigen, das Werk des Malers Eduard Aigner, in: Die Kunst und das schöne Heim, Nr. 7, 1968
Antiquitätenrundschau 1934, Nr. 42
Eichler, R. W. , Künstler und Werke, München, 1962
Junge Kunst im Deutschen Reich, Wien, 1934